von Christel Gröhling Zum Moppedfahren fast schon wieder zu heiß, aber wir wollen ja nicht meckern und uns trotz der tropischen Temperaturen immer schön in unsere Schutzkleidung quälen. Hat mir letztere doch im vergangenen Jahr einen längeren Krankenhausaufenthalt erspart. Ich erzähle mal der Reihe nach: Leider hatte mein Gatte diese aber bei einer Ausfahrt motortechnisch etwas lädiert und so konnte ich nur auf seine „Dicke Berta" (XS 750, Dreizylinder, und ebenfalls 25 Jahre alt) zurückgreifen. Mir gelang es auf Anhieb, diesen Eisenhaufen in Bewegung zu setzen! und ich machte mich auf den Weg ins schöne Sauerland. Da dieser Eisenhaufen etwas breiter, höher und schneller als mein Moped ist, ließ ich die Sache langsam angehen und fuhr erst mal auf die aus unseren Ort führende Bundesstraße, um wieder Gefühl für das schwere Motorrad zu kriegen. Etwa 3 km von unserer Haustür entfernt wurde meine Fahrt abrupt beendet. Ich registrierte in meinem rechten Augenwinkel einen schwarzen Schatten und konnte erst wieder etwas sehen, nachdem ich mit dem Kopf auf der Straße aufgeschlagen war. Das Erste, was ich bewusst wieder wahrnehmen konnte, war die Stimme eines männlichen Mitmenschen der dauernd sagte: „Der ist zu schnell gefahren, der ist zu schnell gefahren!" Gemeint war augenscheinlich ich, aber ich brauchte keine Antwort zu geben, weil hinter mir eine weibliche Stimme sagte: „Das stimmt nicht, ich war genau dahinter!" Na, dachte ich, das wäre also geklärt. Nun konzentrierte ich mich erst mal auf meinen Körper. Der musste wohl da sein, denn der tat plötzlich höllisch weh, besonders das rechte Bein.. Ein netter junger Mann ergriff die Initiative und bestellte per Handy die Flugrettung und einen Krankenwagen. Dann gab er sich als SanHelfer zu erkennen und erkundigte sich nach meinem Befinden, indem er dauernd versuchte, in meine Beine zu kneifen und mich dabei fragte, ob ich etwas merke. Ich merkte und bat íhn inständig, mich von dem Helm zu befreien, da die Aufregung und die brennende Sonne meinem Kreislauf überhaupt nicht gut bekamen. Ein Dank an alle Helfer: Unter der Anleitung des jungen Mannes klappte die Sache mit dem Helm hundertprozentig.Inzwischen waren auch der Krankenwagen und der Rettungshubschrauber eingetroffen. Die Ärzte von Krankenwagen und Hubschrauber erkundigten sich bei mir, wie es mir gehe. Sie waren mit der Auskunft wohl ganz zufrieden, denn beide drehten sich um und wandten sich einem akuteren Fall zu: Als meine netten Helfer mir den Helm vom Kopf gezogen hatten, erkannte die Frau des Unfallverursachers ganz richtig: „Das ist ja eine Frau!!!" Warum diese Tatsache jetzt schlimmer war, als wenn es sich um einen Mann gehandelt hätte, ist mir schleierhaft, bei ihr löste diese Erkenntnis jedenfalls einen Kreislaufkollaps aus, der sofortige Gegenmaßnahmen erforderte. Die Pause in meinem Rettungsablauf nutzte ich, um mich nach dem Befinden von „Berta" zu erkundigen. „Die linke Seite ist heile", sagte der mich tröstende Krankenwagenfahrer. „Dann liegt sie wohl auf der rechten Seite und ist hinüber", meinte ich. Wie sollte ich die Katastrophe von mir und „Berta" bloß meinem Gatten schonend beibringen? Die Bitte um mein Handy wurde mir von einem inzwischen eingetroffenen Polizisten abgeschlagen mit der Auskunft, die Benachrichtigung meiner Angehörigen würden die Beamten übernehmen. Ein heißer Schreck durchfuhr mich: Mein guter Mann befindet sich 60 km vom Ort dieses Geschehens entfernt, wie fährt der bloß nach Hause, wenn er von der Polizei angerufen wird. Der Bitte nach der Telefonnummer kam ich dann nicht nach, ich wollte lieber selbst anrufen. Den Ausgang dieses Duells mit der Obrigkeit musste ich auf später verschieben, denn die Rettungscrew wollte ihr Werk an mir vollenden. Da ich mein rechtes Bein nicht bewegen konnte (ich war praktischer Weise in die „stabile Seitenlage" gefallen), beriet man jetzt, wie die Lederlatzhose von meinem Körper entfernt werden könnte, der Jacke hatte ich mich mit Hilfe meiner Retterin schon vorher entledigt. Nun wurde also die Schere angesetzt (wie gut, dass ich immer eine Radlerhose anhabe, Frau ist ja doch ein wenig genant) und die Hose zerschnitten und entfernt. Mein Bein war jedenfalls nicht durch einen offenen Bruch entstellt, und so kamen die Sanis mit einer aufklappbaren Trage, die unter mir wieder geschlossen werden sollte. Bei der Gelegenheit quetschten sie mir den auf der Erde liegenden linken Arm ein, aua, der sich später mit einem wunderbaren zusätzlichen blauen Flecken bedankte. In der stabilen Seitenlage auf der Trage liegend wollte man mich nun fixieren, ein Gurt sollte dabei genau in Kniehöhe angezogen werden. Leider musste ich ob diesen Tuns vor Schmerzen nun lautstark protestieren, wir einigten uns dahingehend, dass ich mich aus eigener Kraft auf der Liege halten sollte, bis wir im Krankenhaus waren, welches 12 km entfernt war. Man schob mich also in den Krankenwagen. Inzwischen war der nervige Polizist wieder aufgetaucht und wollte die Telefonnummer meines Gatten haben. Ich verweigerte sie ihm mit den Worten: „Kaum liegt man als erwachsener Mensch, wird man für unmündig erklärt." Aber der Polizist war ja kein schlechter Mensch, er gab mir dann das Handy und bat mich, es wenigstens kurz zu machen. Na, es geht doch! Gatte Armin informierte ich dann in etwa so: „Hallo Armin, ich komme heute nicht nach Sundern, ich bin auf dem Weg nach Werne. Ins Krankenhaus. Wenn Du willst, brauchst Du mich morgen erst besuchen, es ist mir nichts Schlimmes passiert. Nur das Motorrad von Dir ist leider etwas kaputt, weil ein Autofahrer mich abgeschossen hat." Die Rettungsleute meinten, jetzt wären der Worte genug gewechselt und schlossen die Türen des Krankenwagens. Ein netter junger Mann blieb bei mir, wie sich herausstellte der Arzt, und los ging die Fahrt. Und wie! Ich flog mit samt der Trage mit einem gehörigen Krach gegen die hintere Tür, die Gott sei Dank geschlossen war. „Och, die Trage ist ja gar nicht gesichert", staunte der junge Herr Doktor und klopfte gegen die Glasscheibe. „Anhalten", rief er. Was seine Kollegen auch prompt taten. Ja richtig, ich krachte mit Schmackes wieder gegen das andere Ende der Vorrichtung. Während der weiteren Fahrt auf der nun gesicherten Trage überlegte ich krampfhaft, in welchem Film ich hier gelandet war. War das alles geträumt oder war das alles Realität, hatte ich einen Schock und kriegte etwas nicht mehr richtig mit? Jedenfalls war ich dem Himmel im Krankenwagen schon dankbar, dass mir bei dem Unfall nichts Schlimmeres passiert war. Bei der Fahrt mit dem Rettungswagen wäre wahrscheinlich alles noch schlimmer geworden. Im Krankenhaus diagnostizierte man dann eine leichte Gehirnerschütterung, schwerste Prellungen unterhalb der Kniescheibe, wo mich die Stoßstange des Unfallautos erwischt hatte, und natürlich Prellungen am ganzen Körper. Einen Sitzbeinbruch (die Sitzband des Motorrades war mir gegen das Becken geknallt - stellte man erst zwei Wochen später fest). Die ersten Wochen nach dem Unfall habe ich mich gefühlt wie durch die Mangel gedreht, dank der guten Schutzbekleidung und meines Schutzengels ist mir nicht mehr passiert. Nachdem ich nun genug trainiert habe, komme ich auch wieder auf meine „Kleine" und kann die Welt genießen. Nur kann ich sie leider nicht mehr antreten, da die Kreuzbänder an meinem Knie „einen mitgekriegt" haben, wie man hier im Ruhrgebiet so schön sagt. Mir fehlt immer noch ein das letzte bisschen Kraft, um den Motor in die Gänge zu kriegen. Aber ich habe ja einen zuverlässigen Mechaniker zur Seite, der solche Probleme für mich löst. Allerdings erwäge ich die zusätzliche Anschaffung eines neueren, zuverlässigen Modells mit E-Starter, schließlich will Frau ja auch wieder alleine unterwegs sein! Übrigens ist „Berta" wieder einsatzfähig, man sieht ihr (fast) nichts mehr von dem Unfall an. Aber über die Restaurierung dieser Maschine berichte ich Euch noch an anderer Stelle (der Kampf mit der Versicherung, ob altes Motorrad oder Oldtimer). Ich wünsche uns jetzt erst mal eine unfallfreie Saison und Christel aus Bergkamen |
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