Kleine Fluchten
Verflixt! Immer dasselbe, ich habe mich verfahren!
Warum wohnt Christine eigentlich immer noch in diesem überfüllten Innenstadtviertel von Köln? Bei ihrem Gehalt als Lehrerin könnte sie sich doch wahrhaftig eine bessere Wohngegend leisten, vor allem eine, in der ich auf Anhieb einen Parkplatz finden könnte und nicht in zweiter Reihe auf dem Bürgersteig stehen müsste!
Na endlich! Geschafft!
Vorsichtshalber schiebe ich meine Antenne rein. Christine zu besuchen, bedeutet ein gewisses Risiko, aber das war es mir bisher immer wert gewesen. Sie ist meine beste Freundin, eine Besondere, eine Starke, eine für Krisenzeiten.
Sehe ich Christine, ist plötzlich alles nur noch halb so schlimm- meine Trennung von Markus zum Beispiel vor zwei Monaten. Seitdem trage ich schwärende Wunden mit mir herum, die nagen und bohren und mich an mir selbst zweifeln lassen. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Flucht zu Christine!
"Ach Gott, Claudinchen!"
Christine schiebt ihre Nickelbrille wieder an Ort und Stelle, nachdem wir uns umarmt haben. Sie sieht nicht gut aus, ihre Augen wirken stumpf und abwesend, irgendwie leer und ohne ihr sattes Grün. Das Sweatshirt trägt deutliche Spuren der letzten Mahlzeit, ihr Frisör scheint schon länger verreist zu sein.
"Schau nicht hin, ich bin dick geworden." Sie verschränkt trotzig die Arme vor ihrer Brust, die wie immer von keinem Halter gebändigt wird.
"
Und betrunken bist du auch!" Ich bin ein bißchen entsetzt, was ist bloß wieder los mit ihr?
"Nichts ist los, es ist aus! Dieses Mal endgültig, Schluß mit lustig, für immer und ewig, keine Quälereien mehr mit diesem Verlierer, es geht mir eigentlich schon viel besser als vor einer Woche, ach..." Sie schluchzt wild auf, und ich sehe es auch, daß es ihr v i e l besser geht."Du siehst aus, als hättest du dir selbst den Kopf abgeschlagen, meine Liebe! Komm", ich nehme sie in den Arm, "ich mach‘ uns jetzt erst was zu essen, und ich lasse dir mal ein Bad ein, dann erzählen wir uns alles, ja?"
Diese Depression muss schlimmer sein als die letzten. Sie versucht seit zwei Jahren, in schöner Regelmäßigkeit, von dem zermürbenden Beziehungskarussell mit ihrem Loser zu springen. Vielleicht ist es ja dieses Mal wirklich endgültig.
"Es ist nichts zu essen da. Ich habe vergessen, einzukaufen.""Egal. Dann hole ich ein Döner vom Türken unten.""Und was zu rauchen, ich habe nichts mehr!""Wo ist denn Andreas, schon ausgezogen?" Ich sehe mich in der Wohnung um, irgendwie scheint mir etwas verändert an der Möbelaufstellung.
"Nicht direkt.
Ich habe ihm die Wohnung im Parterre gemietet. Der Danke, unser Vermieter, weiß natürlich, daß Andreas seit vier Jahren arbeitslos ist, und das sichere Geld nur von mir zu holen ist. Von den tausend Mark Sozialhilfe, die er bekommt, kann er sich doch sowieso keine Wohnung leisten!"
Ich lasse meiner verzweifelten Freundin Badewasser ein und nehme die doppelte Menge Fichtennadel."Dieser Idiot macht sich das bequeme Leben", wettert sie, während sie sich auszieht. "Steht so gegen Mittag auf, spielt Backgammon mit unserem ebenfalls arbeitslosen Nachbarn Holger oder spickt die Tür mit Dartpfeilen. Weißt du, wenn ich hundekaputt von diesen sozial gestörten Blagen nach Hause komme, will er entweder vögeln oder sonst wie unterhalten werden, oder er macht mit dem Staubsauger rum!"
"Er will jeden Tag mit dir ins Bett?" Ich fasse es nicht, die beiden sind seit sieben Jahren zusammen!
" Na, sicher, der kann immer. Von was soll er denn auch müde werden? Schließlich ist keine Arbeit gut genug, von ihm geleistet zu werden, und um endlich eine Ausbildung zu machen, dafür ist Herr Fischer mit seinen 40 Jahren inzwischen zu alt! Lieber liegt er mir auf der Tasche rum!" Sie schnaubt verächtlich, taucht im Badeschaum kurz unter."So neu sind die Probleme ja nun nicht, Christine! Das geht doch seit zwei Jahren so! Wie kam es jetzt zum Urknall?"
"Ich mußte ihn von Der Polizeiwache abholen. Die Bullen hatten ihn aufgegriffen, weil er bis zum Zäpfchen angefüllt mit Speed auf seinem Fahrrad Menschen umfuhr! Und betrunken war er auch noch!
Das hat mir den endgültigen Kick gegeben! Bin ich seine Mama? Wächst mir vielleicht Gras aus dem Schuh? Ich habe nur noch hysterisch rumgebrüllt, daß ich es satt habe, wie er mir auf der Tasche liegt und ich seine Sucht finanziere, ihm die Therapeutin bin und, ach...!" Sie schluchzt wieder auf. "So eine Scheiße, so eine elende Scheiße, wo bin ich nur gelandet!?"
Ich bin bis ins Mark erschüttert! Eine Pädagogin unterrichtet sozial gestörte Blagen und hält sich zuhause einen Süchtel. Dagegen geht es mir ja richtig gut! Ich habe mich n u r von einem Bindungsangsthasen getrennt, der nach und nach immer kältere Füße bekam, und mir vorwarf, ich klammerte mich an ihn und wäre ständig zu fordernd!"Hast du Zigaretten? Ich habe mindestens eine Stunde nicht geraucht!"Ich nicke, krame in meiner Tasche und stecke uns beiden eine Selbstgedrehte an, dann mache ich es mir auf dem Badewannenvorleger bequem. Wir rauchen schweigend, jede hängt ihren Gedanken nach.
"Was ist denn mit dir und deinem Markus passiert? Ihr wolltet doch zusammen ziehen??"
Ich schniefe. Jetzt bin ich also dran.
"I c h wollte zusammen ziehen, e r hat kalte Füße bekommen! Wir würden uns nur streiten, wenn wir zu dicht aufeinander hockten, und deshalb wäre es nur vernünftig und richtig, die Beziehung jetzt zu beenden, sagte Markus. Er hat sich gewunden wie ein Aal, er war ein schrecklicher Anblick! Der Prinz wurde mit einem Mal zum Wurm!"Mein Hals fühlt sich plötzlich ganz wund und trocken an."Du bist nur noch Haut und Knochen, Claudia! Sieh dich mal an! Ich wünschte, ich könnte dir ein bißchen von mir abgeben. Du kannst eigentlich froh sein, daß du diesen Vollblutchauvi los bist, da hat er schon ganz recht mit seiner Präventivtrennung. Ist ja mal ganz was Neues. Ich konnte ihn sowieso nicht leiden, der war ein emotionaler Pflegefall, und ein sozialer dazu! Weißt, worüber wir uns auf deinem Geburtstag stritten? Über Frauenparkplätze!""Was? Wieso denn über Frauenparkplätze?"
"Er behauptete, diese Parkplätze seien verfassungsfeindlich, kein Mensch dürfe wegen seiner Geschlechtszugehörigkeit bei Parkplätzen bevorzugt werden! Stell‘ dir das mal vor! Dieser Superschlaue! Dann fragte ich ihn, ob das etwa für Behinderte auch gelte, da meinte er, nein, diese Menschen wären ja ganz offensichtlich körperlich benachteiligt, das wäre etwas völlig anderes, außerdem besäßen sie ja einen Spezialausweis!
Worauf ich erwiderte, daß wir Frauen für ihn sowieso alle behindert wären, und deshalb ruhig unsere eigenen Parkplätze ansteuern dürften, damit wir vor der männlichen Intelligenz in Sicherheit sind. Da war ich unten durch bei ihm, sag‘ ich dir! ‚Gott, bist du unsachlich‘, schrie er los, ‚du verhinderte lila Emanze!‘ Tja... so war das!"
Ich schlucke. Das paßte zu Markus. Was er alles zu mir so sagte, will ich lieber nicht wiederholen, die Tränen sitzen sowieso schon locker.Christine erhebt sich aus der Wanne. "Ah, das tat gut! Wie Phönix aus der Asche fühl‘ ich mich. Weißt du was? Claudinchen, wir blasen jetzt gar kein Trübsal mehr, wir gehen jetzt downtown, okay?"
Sie hat recht. Immer dieses Jammern über unsere blöden Typen! Als wenn es nichts anderes mehr gäbe! Und für die ‚wer-ist-mein-Nächster‘ Frage war es noch etwas zu früh.
Die Kneipe ist gerammelt voll.
Und wahrscheinlich wird es nur dieses wässrige Kölsch aus den gläsernen Blumenvasen zu trinken geben, kein Pils, und schon gar kein Hefeweizen, ist im Angebot. Ich weiß nicht, wie die Kölner mit diesem Bier leben können!
Und richtig! Was hat der sympathische Wirt im grauen Feinripp-Achselhemd im Ausschank? Felskrone! Ausgerechnet! Christine holt sich Zigaretten, und ich stehe allein inmitten besonders häßlicher männlicher Ausgaben. Schweißgeruch, Zahnlücke, Halbglatze! Grundgütiger Himmel, lass' diesen Kelch an mir vorüber...
"Na, kuck ma', ein neues Gesicht!"Ich verziehe keine Miene. "Nein, dieses Gesicht habe ich schon lange."Er lacht meckernd und versprüht durch die Frontzahnlücke winzige Speicheltröpfchen. "Watt isse geistreich! Trinkste denn da?""Ein lecker Felskrönchen! Von dem, was die Sauerländer wegschütten, macht ihr euer klasse Kölsch!""So, so!" Jetzt legt er den Arm um mich. Kölner sind distanzlos, wußte ich es doch! "Mann, nimm die Pfoten weg! Merkst du nicht, dass du nervst?"
Er hält mich fest, wie in einem Schraubstock fühle ich mich.
"Ach komm! Ich weiß doch, watt du willst, du kleines Kratzbürstchen! Mir einen blasen, er steht mir schon, einen ganz dicken Dödelhai habe ich..."So.Das reicht, jetzt und für alle Zukunft. Dem Kratzbürstchen geht die Sicherung durch. Ich knalle ihm die flache Hand von unten ans Nasenbein, was etwas nachgibt und knirschend nach rechts auswandert.
Er schwankt ein wenig und läßt mich los. Endlich!
Ich wollte schon immer mal das Gelernte aus dem Frauenselbstverteidigungskurs der AOK ausprobieren. Immer feste druff, hieß es da, nicht aufhören! Wenn der Kerl zur Besinnung kommt, und ihr seid noch nicht weg, dann gibt es erst richtig Lack! Also stoße ich mit den gestreckten Fingern in Richtung Augäpfel, und lege mit dem spitzen Ende der Felskroneflasche noch eins nach:
Vor die tumbe Stirn – wamm! Angeekelt fasziniert betrachte ich die aufgeplatzte Haut und das hervorquellende Blut.
Es macht Spaß, Männer zu verprügeln! Das hätte ich mal mit Markus versuchen sollen!
Der Typ schwankt noch mehr, rudert mit den Armen, kann indes nicht umfallen, weil es hier so voll ist, rempelt seinen Kumpan an, der sich sein Kölschglas samt Inhalt ins Gesicht kippt. Nun gibt es eine Kettenreaktion.
Der Mann mit dem nassen Gesicht fühlt sich belästigt und haut zu. Dann schlagen alle Dumpfbacken aufeinander ein, und ich bekomme es mit der Angst zu tun, will nur noch weg, doch wo, um Himmels willen, ist Christine?
Glas splittert, der Mob tobt, plötzlich gellt eine Sirene.
Hilfe! Ich drängele mich zum Ausgang, meine Angst verleiht mir die nötigen Kräfte, und - endlich draußen - renne ich wie eine Furie los, natürlich in die falsche Richtung, und was kommt mir da entgegen, als ich über die Straße will? Bullen! Ein vollbesetztes Polizeiauto stoppt vor mir. Auch das noch! Jetzt geht es in den Knast, nun habe ich endgültig ausgeschissen, keine Frau verprügelt ungestraft Männer!
"Hey, hey junge Frau! Was ist denn mit Ihnen los? Wollen Sie sich das Licht ausblasen? Oder sind Sie voll mit Drogen?"
Der Polizist ist ausgestiegen und hält mich am Arm fest. Ich schüttele wild mit meinem Kopf, breche vorsichtshalber in Tränen aus, stammele von Kneipenschlägerei und Abhauen, Freundin und Orientierung verloren...., na - und schlussendlich glaubt er mir."Welche Kneipe?"
Dann kann man es hören: Die Destille, natürlich. Der Polizist seufzt. Er fordert noch eine Streife an, mich bringen sie zu Christines Wohnung, an der selbstredend niemand öffnet, wie denn auch?
Da fällt mir Andreas ein.
Ich klingele Sturm, endlich öffnet er, mit kaninchenroten Augen. Bekifft?Die Polizisten stehen stumm und abwartend auf dem Bürgersteig."Andreas! Gottseidank! Huhu, ich bin’s, Claudia! Christine ist in Schwierigkeiten, sie...""Interessiert mich einen Dreck! Was machen die Bu... die Polizisten hier?""Bitte, Andreas, du mußt uns helfen, Christine ist noch in der Kneipe, in der Destille, da gab es eine Schlägerei und..." "Ach was? Wart ihr auf der Flucht? Vor uns Scheißkerlen, die nicht so funktionieren, wie ihr euch das vorstellt?" Er hustet laut, es klingt sehr produktiv.
Endlich läßt er sich überreden, mit zur Wache zu kommen.
"Da warst du doch auch schon mal", sage ich.
Das wirkt zum Glück.Dort angekommen, treffen wir auf eine übelgelaunte Christine. "Sag mal, wieso haust du einfach ab und läßt mich in diesem Sumpf von Kannibalen zurück?"
"Na hör mal, d u wolltest doch unbedingt in diese Kneipe! Ich hatte Ärger mit einem dieser Typen, der wollte, daß ich ihm einen blase. Dem habe ich eine gezogen!"
"Das warst du?" Sie gackert los. "Weißt du, daß sie den ins Krankenhaus gebracht haben? Der blutete wie ein Schwein! Das ist Körperverletzung, hörst du?"
"Oh!"
Mir wird bang und bänger. Eine Tür öffnet sich und heraus kommt – der Wirt, der mir die Flasche Felskrone servierte. "Das ist sie", sagt er zu dem Polizisten, der hinter ihm steht. Der starrt mich einen Moment an, und winkt mich herein. Oje! Meine Knie fühlen sich an wie Knetgummi.Ich darf vor dem Schreibtisch Platz nehmen, und der Beamte spannt einen Bogen Papier in die Schreibmaschine.
Er wirkt eigentlich ganz nett mit seiner goldenen Brille, der dunklen Igelfrisur und dem Schneuzer. Nur die Uniform stört ein wenig."Wieviel wiegen Sie?" fragt er und sieht mich ein bisschen skeptisch an."52 Kilo. Wieso?""Und ihre Körpergröße?" Was soll das denn??!"Einen Meter und achtundfünfzig Zentimeter. Wollen Sie meine anderen Maße auch noch wissen?" Spinnt der?"Nein." Er tippt eifrig, mit zehn Fingern, blind. Sehr gut macht er das. "Name?""Schiffer. Claudia Schiffer. Ist reiner Zufall, ich kann nichts dafür."
Jetzt lacht er. Und entblößt herrlich weiße Zahnreihen. Wie ein Raubtier.
Wer lacht, zeigt anderen die Zähne, denke ich.
"Oh, Sie könnten es aber sein. Beruf?"
"Geologin. Ich arbeite als wissenschaftliche Assistentin in Aachen an der Uni."
"Und was genau machen Sie da? Aachen ist nämlich meine Heimatstadt!"
"Ich arbeite mit meinem Professor an einer Studie über die Verschmutzung von Pflastersteinen, und mit welchem Reiniger der Dreck am besten wieder abgeht."
"Wie wäre es mit Mister Muscle?" Er grinst.
"Nein, ist meinem Prof' nicht seriös genug. Außerdem in Deutschland nicht zugelassen, zu viele giftige Inhaltsstoffe. Hören Sie, ich finde unser Gespräch ja ganz nett, aber – die Sache da in der Kneipe...äh, das kam so..."
"Und was treibt Sie nach Köln, um diese Zeit, in die Destille?"Ich hole tief Luft. Jetzt fällt er mir gehörig auf die Nerven!
"Ich besuche meine Freundin. Wir diskutierten die brennenden Fragen, ob Frauenparkplätze verfassungskonform sind und ob Sexisten Kochkurse besuchen sollten!"
Meine Worte ätzen Löcher in den Fußboden. Mir ist kalt, ich bin sterbensmüde und einsam und will nach Hause, und gleich heule ich wieder, meine Stimme kiekst verdächtig, ich merke es deutlich.Er reicht mir ein blütenweißes, riesiges Männertaschentuch. "Ach du liebe Güte!"
Ich schneuze mich laut, ach, das tut gut!
"Sie brauchen nichts zu befürchten, wirklich! Sie unterschreiben diese Aussage, die wirklich lupenrein ist, und dann können Sie gehen! Wo kämen wir denn hin, wenn jeder ungewaschene Typ Sie anfassen dürfte, ohne dass Sie sich wehren. Ich heiße übrigens Renè, und helfe Ihnen gern, ehrlich. Die Polizei, dein Freund und Helfer! Na, wie klingt das?"
Überrascht starre ich ihn an. Ich habe eine Aussage gemacht?? ACH?
"Natürlich. Ihre Körpergröße ist Aussage genug! Sie können niemals diesen baumlangen, nudeldicken Kerl krankenhausreif geschlagen haben! Das glaubt Ihnen sowieso niemand!"
Ich lese meine ‚Aussage‘. Die Prügelei entstand, weil sich zwei betrunkene Männer wegen mir in die Haare gerieten. Klingt vollkommen logisch. Ich muß lächeln und reibe mir die Nase,
"Na also. Hier, wo der Fettfleck leuchtet: Bitte unterschreiben."
Mit zittrigen Fingern nehme ich den Kugelschreiber aus seiner Hand, und ich bemerke, wie trocken und warm sich seine Finger anfühlen. Ein winziges Fünkchen springt zu mir herüber.
"Könnten wir mein Taschentuch jetzt gegen diesen Zettel tauschen?" Seine Stimme klingt ein bisschen unsicher.
Renè Roland Dieske
Köln, 62 13 76" ruf doch mal an" steht auf dem Zettel.
"Ist das jetzt zu plump?" fragt er.
Ich muss plötzlich laut lachen, und mir ist überhaupt nicht mehr kalt.
"Nein, aber das ist die beste Anmache, seit es Polizisten gibt.
Nimmst du eigentlich beim Küssen die Brille ab?"
Er starrt mich entgeistert an. "Nein, ich glaube nicht", flüstert er."Solltest du aber! Ich meine, bevor... äh, was kaputt geht!"
Lieber Gott, was rede ich denn da?
"Danke. Vielen, vielen Dank! Ich – werde dich anrufen!"
Draußen bin ich wieder. Schmunzel.
Christine und Andreas stehen eng umschlungen am Fenster und küssen sich. Aha. Ihr Karussell dreht sich wieder.
"Hallo, ihr zwei."
Christine dreht sich um und grinst.
"Wir heiraten", sagt sie. "Alles wieder in Ordnung mit uns. Und? Wie schaut’s bei dir?"
"Ich war es nicht. Ich bin zu klein, sagt der Polizist. Und ich habe seine Telefonnummer."
"War ja klar. Ihr Frauleut‘ habt doch ewig die gleiche Masche drauf", knurrt ihr Andreas. Ich hole tief Luft und pumpe mich ein wenig auf.
"Weißt du was? Du bist auch viel zu bescheuert, um das zu verstehen! Ich begreife nicht, weshalb Christine dich noch immer aushält. Wahrscheinlich ist sie dir hörig oder glaubt an die "Aktion Sorgenkind"! Liebe kann das nicht sein! Macht weiter, ihr zwei, von mir aus so lange, bis der Arzt kommt!"
Ich drehe mich um und renne zum Ausgang. Andreas schreit irgendwas und Christine ruft meinen Namen, ich kümmere mich nicht darum.
Draußen wird es langsam hell, und ich wittere Morgenluft. Wird auch Zeit.