Der Einsatz von Hydrokolloidverbänden beim Dekubitalgeschwür
Inhalt:
1) Einleitung
3
2) Literatursuche.
4
2.2. Funde in Fachbüchern
2.3. Funde bei Firmen.
7
2.4. Funde in Fachzeitschriften.
8
2.5. Grundsätzliches zu Dekubitus, Stadieneinteilung und Wundphasen
9
2.6. Definition einer Wunde und Einteilung nach dem Heilungsverlauf.
11
3) Ergebnisse bzgl. der Anwendungskriterien
12
3.1. Typen von Wundverbänden.
12
3.2. Kontraindikationen für Hydrokolloide.
14
4) Fazit.
15
5) Quellennachweise.
17
1) Einleitung
Warum habe ich dieses Thema gewählt?
Ein Dekubitus wird leicht als Pflegefehler angesehen, als unbedingt vermeidbar betrachtet, steht im Ruf einer „peinlichen Panne“ der Institution.
Tatsächlich ist das Pflegeproblem „Dekubitus“ lange Zeit vernachlässigt worden, als Stiefkind der Medizin behandelt. Erst mit der Entwicklung der Pflegeforschung rückte das Thema in den Mittelpunkt neu erwachten Interesses.
So sind in den Jahren nach meinem Krankenpflegeexamen (1978) viele fantasievolle und kreative Versuche unternommen worden, einen Dekubitus zu verhindern bzw. ein entstandenes Druckgeschwür zu behandeln.
Modernes Wundmanagement hat vor der Behandlung des Dekubitalgeschwüres nicht halt gemacht, und in der stationären Altenhilfe wird das Pflegeproblem „Dekubitus“ in seiner Erscheinungshäufigkeit in einer Einrichtung nicht nur zu einem Messinstrument der Pflegequalität für den MDK, sondern auch zum Lebensqualitätsdefizit der betroffenen Bewohner in ihrem letzten Lebensabschnitt. Es gilt, für den Bewohner die Lebensqualität schnellstmöglichst wieder herzustellen und ihn nicht täglich schmerzhaften und veralteten Verbandtechniken auszusetzen. Aus diesem Grund interessierte mich,
· ob die Aktualität der Hydrokolloidverbände erhalten ist oder ob neuere Substanzen diese ablösen,
· in welcher Wundheilungsphase der Einsatz besonders vorteilhaft ist,
· und ob die Behandlung der infizierten Wunde mit Hydrokolloiden indiziert ist.
2) Literatursuche
2.1. Funde im Internet.
Durch das Training einer Literaturrecherche im Internet von der WIFAP angespornt, begann die Suche in der Suchmaschine von google.[i]
Hier gab es einige Treffer zum Suchbegriff: „Dekubitus“.
Unter www.patientenleitlinien.de auf der Homepage der Universität Witten/Herdecke fand ich fünf Seiten einer Leitlinie für Betroffene und Angehörige mit einer brauchbaren Linkliste zu Websites für Fachkundige, unter anderem auch von zwei Pharmaunternehmen: B. Braun und Johnson & Johnson.
Interessant für die Recherche waren die Adressen:
· www.aerzteblatt.de/archiv/artikel.asp?id=23300
Dieser Link erwies sich nach mehrfachen Versuchen als nicht aufrufbar, bzw. die Seite konnte nicht gefunden werden.
· www.dgfw.de (DGfW: Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. in 89155 Erbach) Hier fand sich ein erster Hinweis zum Thema „Hydrocolloidverbände“:
„Interaktive Wundverbände sind wirkstoffreie Medizinprodukte, die ein feuchtes Wundmilieu aufrechterhalten können, ohne daß es zu einer Gewebemazeration der umliegenden Haut kommt. Besondere hochresorptive Polymere nehmen das Exsudat auf und regulieren interaktiv die Feuchtigkeitsverhältnisse in der Wunde. Zu den interaktiven Wundverbänden gehören z.B. Alginat-, Hydrogel-, Hydrokolloid-, Weichschaum- und Folienverbände im engeren Sinn sowie Aktivkohleverbände im weiteren Sinn.
Bei Hydrokolloidverbänden bildet sich als Zeichen der Notwendigkeit eines Verbandwechsels eine Flüssigkeitsblase; nach dem Freilegen der Wunde ist diese mit einem gelblichen Gel ausgefüllt, dessen Beschaffenheit und Geruch putride sind; es handelt sich dabei nicht um eine Wundinfektion, sondern um Bestandteile des Verbandes in Verbindung mit aufgenommenem Exsudat. Bei Hydrogel-, Alginat- und Weichschaumverbänden wird das Exsudat ohne Gelbildung aufgesaugt“.
· www.cnhfi.de/Dekubitus.htm
(Compliance Netzwerk Ärzte / Hfl e. V.: „Handlungsleitlinie für die ambulante Versorgung des Dekubitalulkus“).
Interessant war hier auf der sehr ausführlichen Website eine tabellarische Auflistung der Anwendung interaktiver Verbände in verschiedenen Wundheilungsphasen. Hieraus ging hervor, dass Hydrokolloidverbände in allen Wundheilungsphasen angebracht sind:
„Tabelle 9: Interaktive Wundverbände und deren phasengerechter Einsatz“
Alginat- verbände |
Hydrogel- verbände |
Hydrokolloid- verbände |
Weichschaum-verbände |
Filme /Folien-verbände |
Aktivkohle-
verbände |
Exsudation, Infizierte Wunde |
Exsudation, Granulation |
Exsudation, Granulation, Epithelisierung |
Exsudation, Granulation |
Epithelisierung |
Geruchshemmend,
infizierte Wunde |
Wundverband Tamponade |
Wundverband Gel |
Wundverband Paste, Puder |
Wundverband |
Wundverband |
Wundverband
|
Der 2. Versuch gelang gleichfalls erfolgreich beim Suchkatalog yahoo.[v]
Hier wurde durch die Themengliederung nach Sachgebieten, hier im Thema Pflege, die Suche effektiv in Zeit und Aufwand durchgeführt.
Unter www.yahoo.de/gesundheit/pflege/portale.htm stieß ich auf die Homepage der Firma Hartmann, die zum Thema Dekubitus in ihrem „Forum“ eine stattliche Anzahl von Berichten und Studien aus unterschiedlichen Jahrgängen von den hiermit beauftragten Ärzte aufwies.
Diese wurden herunter geladen und ausgedruckt. Es handelte sich hier nicht um firmenbezogene Werbeprospekte, sondern um Beobachtungsreihen in Kliniken mit bestimmten Verbandtechniken und –materialien, die - natürlich - von der Firma Hartmann stammten. Für die Sichtung dieser Literatur wurde eine Woche benötigt.
Besonders interessant war die Hartmann-Studie von zwei amerikanischen Ärzten, die an vier Yukatan Minischweinen einen Vergleich des Heilungsverlaufes bei vorher gesetzten Wunden auf den Schweinerücken zwischen Hydrogel- und Hydrokolloidverbänden untersuchten.
Im Ergebnis schnitten die Hydrogelverbände besser ab, da die Wunden schneller abheilten als die, die mit Hydrokolloiden abgedeckt wurden (Gokoo und Burhop 1994).
Die Internetrecherche wurde hiermit beendet.
2.2. Funde in Fachbüchern
In der Stadt- und Landesbibliothek in Dortmund gab es eine reichliche Auswahl zum Themengebiet „Krankenpflege“ und „Medizin“. Da das Thema dieser Literaturarbeit sehr spezialisiert auf Verbandtechnik und –material beschränkt ist, gab es hierzu im Detail keine Literatur, so dass die Auswahl auf ein allgemeines Lehrbuch zum Pflegeberuf beschränkt bleiben musste (THIEMEs Pflege 2000, Seite 1544). [viii]
Der Wechsel einer Hydrokolloidauflage bei einem Patienten mit Ulcus cruris wird hier bebildert dargestellt, sowie ein Verbandwechsel mit Alginat- Tamponade bei einem Dekubitus 3. Grades. Auf die Behandlung infizierter Wunden wird nur kurz eingegangen (ebenda, Seite1532). Infizierte Wunden mit den klassischen Entzündungszeichen (Rötung, Schmerz, Erwärmung oder Fieber mit Leukozytose und Schwellung) dürfen nicht okklusiv verbunden werden (ebenda, Seite 1535.) Eine Begründung hierzu fehlt.
Die Literaturangaben am Kapitelende beinhalten u.a. die Firma Paul Hartmann AG mit ihrem „Kompendium Wunde und Wundbehandlung“, Heidenheim 1998, und die „Initiative Chronische Wunde“ in: „Leitlinie Dekubitus“, ICW, Köln 1999.
Das Buch:[ix] „Dekubitus – die Herausforderung für Pflegende“, (Bienstein et al. Hrsg., Thieme 1997) wurde als Fachliteratur für den dienstlichen Bereich gekauft.
Hier fand sich eine ausführliche Tabelle zur Auswahl der erhältlichen Hydroaktivverbände von 15 Herstellern (Sellmer 1997, Seite 179), ferner eine Übersicht der Hydroaktivsortimente (ebd., Seite 182-183) im Vergleich nach Wirksubstanz (Hydrokolloid oder Hydropolymer), Inhaltsstoffen, Indikationen und Kontraindikationen, Verweilzeiten und vieles mehr. Tabelle 20.3 (ebd., Seite 184-185) schließlich listet die Produkte auf, die unter „Hydrokolloide“ firmieren, hier mit identischen Inhaltsstoffen. In dieser Tabelle erscheinen Hersteller, die in der vorgehenden nicht benannt wurden.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass hier erstmalig ein Hinweis darauf erfolgt, dass Hydrokolloide den Status eines Medizinproduktes nach Medizinproduktegesetz (MPG) besitzen.
Ein wichtiges Merkmal nach Sellmer scheint zu sein, ob der Verband zerschneidbar ist und die Reste weiterverwendbar sind. (ebd., Seite 188).
Dieses begründet er mit der Kostensituation. An anderer Stelle - unter wichtigen Einzelheiten zum Produkt – (ebd., Seite 180) wird diese gängige Praxis vom selben Autor aus hygienischen Gründen angezweifelt. Nach Gespräch am 19.04.02 mit einer Pharmareferentin der Firma Hartmann muss das Zerschneiden – nicht nur aus Kostengründen - entschieden abgelehnt werden, da das Produkt in der Substanz nicht dicht hält und das Gel samt Wundsekret ausläuft. Kontraindiziert in der Anwendung sind Hydrokolloide nach diesen Tabellen bei allen infizierten Wunden. Im Text wurde hierzu keine Begründung oder Stellungnahme gefunden.
2.3. Funde bei Firmen
Hier waren die Auswahlmöglichkeiten fast unbegrenzt. Die Hersteller Hartmann und ConvaTec bieten eine Fülle von reich bebilderten Hochglanzprospekten, die nicht nur durch ärztliche Studienbeschreibungen und Beobachtungsreihen aus verschiedenen Kliniken angereichert werden (HartmannWundForen, siehe Quellen Nummer 6 und 7), sondern bei der Firma ConvaTec ebenso eine Literatursammlung von Einzelbeiträgen zum Themengebiet der chronischen Wunden. Kammerer (1999, Seite 2) beschreibt hier die Applikationsmöglichkeiten der Hydrokolloidverbände an problematischen Körperstellen wie Ferse und Finger, sowie die Behandlung einer sekundären Wundheilungsstörung im Bereich des Abdomens, bei der der Hydrokolloidverband zum Hautschutz der Wundumgebung Anwendung fand, während die eigentliche Wundfläche mit Alginat- und Hydrofaserkompresse versorgt wurde.
Quellenhinweise fanden sich nicht in dem Artikel, lediglich verallgemeinernde Aussagen wie: „Früher war man der Meinung, daß für die Wundheilung Luft bzw. Sauerstoff von außen unbedingt erforderlich wäre“, und „Eine große Studie zur Infektionshäufigkeit unter Hydrokolloidverbänden ergab, daß die Infektionsraten unter okklusiven Verbänden geringer waren als unter konventionellen Verbänden“. Ein Hinweis zu dieser Studie erfolgte nicht, die Firma ConvaTec[xii] wurde namentlich als Hersteller benannt, während das in den Beiträgen der Firma Hartmann nicht geschah.
Der Hersteller ConvaTec stellte auf besondere Nachfrage weitere Literatur zum Thema Wundversorgung zur Verfügung.
Der Bundesfachverband Medizinprodukteindustrie e.V. (BVMed, Juni 2000)[xiii] liefert hierzu eine achtzehnseitige Informationsschrift („Gesundheitspolitik. Der Einsatz moderner Wundversorgungsprodukte“) mit Aspekten der medizinischen, sozialversicherungsrechtlichen und wirtschaftlichen Thematik, ohne Benennung des Autoren, jedoch auf letzter Seite eine Übersicht der Produkte zur Wundversorgung von der Firma ConvaTec.
Auf Seite 8 der Broschüre findet sich ein Hinweis auf das Medizinproduktegesetz vom 1. Januar 1995, in welchem Verbandmittel als Medizinprodukt einzuordnen sind und bei Zulassung mit dem
CE- Kennzeichen zu versehen sind. Das Gesetz stellt besondere Anforderungen an Hersteller, Betreiber und Anwender.
2.4. Funde in Fachzeitschriften
Als sehr aktuelle Literatur fand sich ein Aufsatz zum „Leitfaden Wundmanagement in der Pflegepraxis“ in der Zeitschrift. „Die Schwester/der Pfleger“ von April 2002.
Hier wurde im Rahmen eines Schülerprojektes mit dem Ziel des besseren Theorie-Praxis-Transfers ein Leitfaden zum Wundmanagement erstellt. In diesem Beitrag wurden sämtliche Materialien und Prinzipien der Wundbehandlung abgehandelt, auch die der trockenen Technik.
In einer Tabelle übersichtlich geordnet, tauchten Hydrokolloidverbände in allen Wundphasen auf. (Kutschke 2002, Seite 277) Im Text näher erläutert unter „Hydroaktiven Wundauflagen“ (ebenda, Seite 278) werden jedoch ausschließlich die Polyurethrangele oder -schäume hervor gehoben, während auf Hydrokolloide nicht explizit eingegangen wird. „Hydroaktive Wundauflagen (z.B. Cutinova®, Allevyn®) sind speziell für sezernierende Wunden, sekundär heilende Wunden geeignet. Sie dienen der Erhaltung des feuchten Wundmilieus, der Reinigung, dem Schutz der Wunde und dem Aufnehmen und Binden von Sekret. Polyurethran-(PU-)Gele sind sehr gut gewebeverträglich und nehmen große Mengen Flüssigkeit auf“.
Auch hier wird auf die „Schneidbarkeit“ hingewiesen.
2.5. Grundsätzliches zu Dekubitus, Stadieneinteilung und Wundphasen
Von Interesse war es, die unterschiedlichen Definitionen zu Dekubitus gegenüber zu stellen:
Definitionen Dekubitus:
„Dekubitus: Eine ischämische Nekrose und Ulzeration des Gewebes über einem vorstehenden Knochen, das langzeitig einem Druck gegen ein externes Objekt (z. B. Bett, Rollstuhl, Gipsverband, Schiene) ausgesetzt war“. (MSD Manual 1993, Seite 890).
„Beim Dekubitus handelt es sich um eine trophische Störung, die die Haut und das Unterhautgewebe schädigt. Man spricht auch vom sog. „Wundliegen“.“ (Schröder 2000, THIEMEs Pflege).
In „Dekubitus – eine Herausforderung für Pflegende“ (Bienstein et al. 1997, siehe unter Nr. 9) konnte keine Definition im Vergleich wie oben gefunden werden.
Stadieneinteilung:
„Grad 1 ist an einer scharf begrenzten Hautrötung erkennbar, die sich „wegdrücken“ lässt. Die Epidermis ist intakt.
Grad 2 umfaßt bereits Defekte der Epidermis bis hin zur Schädigung der Dermis, jedoch noch ohne Beteiligung der Subcutis.
Grad 3 betrifft alle Hautschichten und reicht bis auf die Faszien.
Grad 4 stellt ein Geschwür dar, das bis auf den Knochen reicht, wobei bereits eine Knochenentzündung (Osteomyelitis) bestehen kann“. (Schulz 1995)
Wundphasen:
„Reinigungsphase. In der Reinigungsphase werden untergegangenes Gewebe und Keime durch autolytische Prozesse abgeräumt. Da das Ausmaß devitalisierten Gewebes bei einem Stadium II bis III- Dekubitus häufig jedoch so groß ist, daß eine Wundreinigung durch die körpereigenen Vorgänge allein nicht bewältigt werden kann, braucht die Wunde externe Unterstützung durch ein sorgfältiges Débridement. Dies kann chirurgisch oder physikalisch durch eine feuchte Wundbehandlung erfolgen“ (Lang & Rötel 1999, siehe unter 6).
„Granulationsphase. Das Dekubitalulcus ist eine sekundär heilende Wunde, d.h. zum Auffüllen des Defektes muß Ersatzgewebe, das sog. Granulationsgewebe, aufgebaut werden. Diese Phase durchzustehen bedeutet in der Praxis vielfach erhebliche Schwierigkeiten, weil sie eine lange Zeit in Anspruch nimmt....Das Wundbett darf nie austrocknen und muß permanent feucht gehalten werden. Trocknet die Wunde aus, sterben die zum Gefäß- und Gewebeaufbau notwendigen Zellen ab. ....Die zur Verfügung stehenden hydroaktiven Wundauflagen ermöglichen es dabei, die Wunde problemlos feucht zu halten“ (ebenda, Seite 20).
„Epithelisierungsphase. Die Epithelisierung durch Mitose und Migration von Epithelzellen bringt die Wundheilung zum Abschluß. Auch für diese Phase sind das Feuchthalten der Wundfläche und der Schutz des jungen Epithels vor Zellstripping beim Verbandwechsel die bedeutendsten Maßnahmen.....“ (ebenda, Seite 20).
2.6. Definition einer Wunde und die Einteilung nach dem Heilungsverlauf
Definition:
„Eine Wunde ist eine begrenzte oder flächenhafte Gewebsdurchtrennung oder –zerstörung der Körperoberfläche und/oder der darunterliegenden Gewebsschichen und Organe. Dabei unterscheidet man die iatrogene Operationswunde von sog. Unfall- oder Gelegenheitswunden“ (Matscheko 2000). [xviii]
Beim Heilungsverlauf einer Wunde unterscheidet Matscheko:
· Aseptische Wunden (Operationswunden, die durch Naht verschlossen werden).
· Kontaminierte und potenziell kontaminierte Wunden (alle offen behandelten Wunden ohne Zeichen einer Infektion).
· Infizierte Wunden (Eindringen von Bakterien in tiefere Gewebsschichten und in das die Wunde umgebene Gewebe mit den klassischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Schmerz, Überwärmung und Funktionseinschränkung).
· Ein primärer Wundverschluß bei kontaminierten oder infizierten Wunden ist nicht möglich.
„Die Unterscheidung zwischen Kontamination und klinischer Infektion einer Wunde hat Auswirkungen auf die Wundheilung und die Art der durchzuführenden Wundversorgung....Eine Sonderstellung unter den sekundär heilenden Wunden nehmen chronische Wunden mit schlechter Heilungstendenz wie Dekubitus und Ulcus cruris ein... Hier ist neben der Behandlung der Wunde selbst die Therapie der zugrundeliegenden Ursachen vorrangig: die Druckentlastung beim Dekubitus.....““. (Matscheko 2000, Seite 2).
Matscheko stellt jedoch fest:
„Einen Wundverband, der allen Wunden gerecht wird, gibt es nicht. Moderne Wundauflagen sind spezifischer als herkömmliche Verbände. Das bedeutet, dass sie ihre Vorteile erst dann voll entfalten können, wenn sie bei der richtigen Wunde in der richtigen Heilungsphase mit der richtigen Handhabung eingesetzt werden“. (ebenda, Seite 4)
3) Ergebnisse bzgl. der Anwendungskriterien
3.1. Typen von Wundverbänden
Matscheko weist auf den Mediziner Georg Winter hin, der 1962 eine wegweisende Forschungsarbeit veröffentlichte: Er stellte fest, dass Wunden unter Okklusion besser heilen als vergleichbare Wunden, die an der Luft trocknen. Durch Okklusion wird der Körper angehalten, auf dem Blutweg Sauerstoff in das Wundgebiet zu bringen, was durch vermehrte Gefäßeinsprossung ermöglicht wird. (ebenda, Seite 5)
Zu den Hydrokolloidverbänden nimmt Matscheko wie folgt Stellung:
„Der Verband ist in allen Phasen der Wundheilung einsetzbar“. (ebenda, Seite 6).
Zu der speziellen Behandlung von infizierten Wunden nimmt er keine Stellung.
Nach Bienstein et al. in „Prinzipien der Dekubitustherapie“ (Bienstein, Braun, Neander, Schröder 1997) liest man jedoch von Winter (Winter 1971), „Wunden heilen unter einem feuchten Verband schneller als bei trockener Behandlung mit Krustenbildung. Der Verband soll aber nicht nur dauernd feucht, sondern auch luftdurchlässig sein, damit viel Sauerstoff in die Ulkusoberfläche diffundieren kann“.
Unter der Annahme, dass es sich hier um den selben Mediziner wie bei Matscheko erwähnt handelt, scheint dieser zehn Jahre später sein Forschungsergebnis der besseren Wundheilung unter Okklusions-bedingungen in Frage zu stellen.
Unerwähnt in diesem Kapitel von Bienstein et al. bleiben gleichfalls die Hydrokolloidverbände; vielmehr wird von „physiologischem Wundverband“ geschrieben, der in der klassischen Form von mit Ringerlösung getränkten Kompressen in täglich viermaligem Verbandwechsel vorgenommen wird.
· Die trockene Verbandtechnik mit Baumwoll-Mullkompressen - in Verbindung mit Fixomull zur Fixierung - findet Anwendung bei der Abdeckung von Venenverweilkanülen, bebildert dargestellt in THIEMEs Pflege 2000 (Seite 1537), Verbinden von Drainageaustrittsstellen (Seite 1549) und zentralvenösen Kathetern (Seite 1501).
Nach Niedner (Niedner 1997 zählt diese Technik zu den „traditionellen Verbänden“.
· Semipermeable Filme und Membranen (transparent, nicht bei starker Exsudation).
· Schäume (Polyurethan). Für chronische, offene Wunden mit starker Exsudation, in der Granulationsphase nicht mehr vorteilhaft, da das Gewebe mit dem Schaum verwachsen kann.
· Xerogele (partikuläre Polymere) können ein Vielfaches ihres Gewichtes an Exsudat aufnehmen, benötigen jedoch ein sekundäres Dressing. Sie eignen sich bei infizierten, exsudativen Wundverhältnissen.
· Bioaktive Dressings wie Hydrogele, Hydrokolloide, Faserpolymere (aus Algen gewonnene Alginate). Hydrogele benötigen ein Sekundärdressing, die Hydrokolloide sind die auf dem Markt expandierenden Dressings. „Sie kommen einem idealen Dressing sehr nahe“. In der Epithelisierungsphase kann das junge Epithel an der Klebeschicht hängen bleiben. Faserpolymere benötigen eine Wunde, die exsudiert, da sie durch die Absonderungen erst aufquellen können. (Niedner 1997).
3.2. Kontraindikationen für Hydrokolloide
Herstellerangaben. Die Firma Hartmann beschreibt ihr Produkt Hydrocoll® in der Packungsbeilage wie folgt (Auszug):
„Anwendungsgebiete: Hydrocoll® eignet sich zur Behandlung von mäßig bis gering sezernierenden Wunden.
Kontraindikationen: Hydrocoll® nicht anwenden im Bereich freiliegender Knochen, Muskeln und Sehnen, bei klinisch infizierten Wunden, Pilzinfektionen oder bei Brandwunden 3. Grades“.
Im Vergleich benennt die Firma ConvaTec in der Packungsbeiblage mit ihrem Produkt VarihesiveE Border® (neuere Entwicklung: Versiva®) die Kontraindikationen unter „Infektionswunden“ und „Überempfindlichkeiten gegen das Produkt“.
Nach Sellmer: „Hydroaktive Wundverbände - die Qual der Wahl“ (Sellmer 1997) ist das Vorliegen einer Wundinfektion bei allen Herstellern (Coloplast GmbH, Beiersdorf AG, Rauscher GmbH, 3M Medica, Johnson & Johnson, Fournier Pharma GmbH, Braun Petzold GmbH, medi Bayreuth und Hexal- Pharma GmbH,) eine Kontraindikation für Hydrokolloidverbände. Die Firma Braun Petzold stellt bereits seit 1987 Hydrokolloidverbandmaterialien her.
4) Fazit
1) Die feuchte Wundbehandlung hat sich durchgesetzt. Hydrokolloide haben von ihrer Aktualität und ihren vielfältigen Anwendungsgebieten im Bereich der chronischen Wundversorgung nichts verloren, im Gegenteil, sie werden als fast „ideale Dressings“ bezeichnet. Die Vielfalt der Anbieter ist inzwischen für die Anwender zu einer Herausforderung geworden. Für den privaten Bereich gibt es inzwischen Hydrokolloidverbände, die bei Blasen an den Achillessehnen nach ausgedehnten Wanderungen oder Einlaufen von neuem Schuhwerk angewendet werden können, z.B. Compeed.
Die Veränderungen, die der Verband im Verlauf der Wundabdeckung mit blasenförmigem Aufquellen, Bildung eines eiterähnlichen Sekretes und unangenehmen Geruchs nehmen inzwischen die Pflegenden gerne in Kauf, da der sichtbare Erfolg der Wundheilung dieser Methode unzweifelhaft recht gibt.
Hier waren zu Anfang Schwierigkeiten zu verzeichnen. Dennoch werden nach meinen Erfahrungen in der stationären Altenhilfe einige Wenige die alte trockene Technik mit Kompressen und Fixomull beibehalten wollen.
Die Firma Hartmann hatte mich gebeten, die Ärzt/innen, die entsprechende Informationen zwecks der Verordnungen und dem befürchteten Überschreiten des Budgets benötigen, zu benennen, damit die Pflegenden nicht alleine die Bürde nicht mehr zeitgemäßer Verordnungen hinsichtlich trockener Vebandtechniken tragen müssen.
Letztlich muss die Pflegekraft das durchführen, was der Arzt anordnet.
2) Es hat allerdings Weiterentwicklungen der Hydrokolloide gegeben: Die Hydropolymerverbände, die ein synthetisches Gel entwickeln, das beim Verbandwechsel nicht in der Wunde verbleibt – hier im Gegensatz zu den Hydrokolloiden, die ein organisches Gel bilden. Verbesserungen hinsichtlich der Dauer der Wundheilung konnten in Tierversuchen nur marginal nachgewiesen werden.
3) Hydrokolloide können in allen Wundheilungsphasen angewendet werden. In der Phase der Wundreinigung mit reichlich Exsudatbildung muss jedoch mit häufigeren Wechseln gerechnet werden, als von den Herstellern angegeben wird. Den Wechsel bestimmt die Wunde selbst durch ihren Exsudationsprozess.
4) Infizierte Wunden bleiben ein Problem hinsichtlich der modernen Wundversorgung. Die Begründung der Kontraindikationen für Hydrokolloide erfuhr ich indes lediglich von der Pharmareferentin der Firma Hartmann: Hydrokolloide haben eine flüssigkeitsdichte Oberfläche aus Polyurethan. Infizierte Wunden dürfen nicht unter Folien verschiedenster Art und Güte verbunden werden, da es zu einer septischen Ausbreitung infolge mangelndem Abfluss kommen kann, da das Wundsekret eingeschlossen wird. Infizierte Wunden müssen zunächst systemisch mit Antibiotikagabe saniert werden, bevor dieses Dressing in Frage kommt.
Enttäuschend waren die geringen Literaturfunde zu dem Thema infizierte Wunden. Durch die Ausbreitung des MRSA (Methicillin- resistenter Staphylokokkus aureus) kommt diesem Krankheitsbild auch in der stationären Altenhilfe eine immer größere und tragisch werdende Bedeutung zu, namentlich der Einschränkungen im täglichen Heimleben mit Isolierungsbedingungen.
Am Thema „Wundverbände“ gemeinsam mit den Firmenvertretern zu arbeiten, hat mir sehr viel hinsichtlich der Auffrischung von Fachwissen gebracht.
[iii] Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. (DGfW), Erlenbachstraße 19, 89155 Erbach.
[iv] Compliance Netzwerk Ärzte / Hfl e.V., „Handlungsleitlinie für die ambulante Behandlung eines Dekubitus“, http/cnhfi.de/Dekubitus.htm
5 Internet: www.yahoo.com
[vi] Lang, F und Röthel, H..: „Das Dekubitalulcus – Ursachen, Prophylaxe und Behandlung“, HARTMANN WundForum 2/99
Rath, E.: „Lokale Wundbehandlung von Dekubitalulcera mit TenderWet“, HARTMANN WundForum 1/98
[vii] Gokoo, Ch. und Burhop, K.: „Vergleichende Studie von Wundverbänden auf tiefen, alle Hautschichten durchdringenden Wunden“, HARTMANN WundForum 1/94
[viii] Assenheimer, B., Schröder, G., Sitzmann, F.: „Prinzipien der Wundbehandlung“, in: „THIEMEs Pflege“; Georg Thieme Verlag, 9. Auflage 2000, Seiten1534 ff, und 1543-1544.
[ix] Sellmer, W.: „Hydroaktive Wundverbände – die Qual der Wahl“, aus: „Dekubitus – die Herausforderung für Pflegende“, Bienstein, C. et al. (Hrsg.), Thieme Verlag 1997, Seite 177 ff.
[x] PAUL HARTMANN AG, 89522 Heidenheim. Homepage: www.hartmann-online.com
[xi] Kammerer, S.: „Hydrocolloide: mehr als nur eine simple Wundabdeckung“, in Pflege-Forum Nr. 3 / Juli 1999, als Beilage der Zeitschrift “Heilberufe“, 7 / 1999, Urban & Vogel Medien & Medizin VerlagsGmbH, München, Juli 1999.
[xii] ConvaTec Vertriebs-GmbH, ein Unternehmen der Bristol-Myers Squibb Gruppe, Sapporobogen 6-8, 80809 München. Homepage: www.convatec.com/de_DE
[xiii] Unbekannter Autor: „Gesundheitspolitik - Der Einsatz moderner Wundversorgungsprodukte“, Juni 2000, Medinform c/o BVMed, Bundesfachverband Medizinprodukteindustrie e.V., Hasengartenstraße 14c, 65189 Wiesbaden.
[xiv] Kutschke, T.: „Leitfaden Wundmanagement für die Pflegepraxis“, in: „Die Schwester/der Pfleger“, 41. Jahrgang, Bibliomed Verlag Melsungen, Seite 274 ff.
[xv] MSD Sharp & Dohme GmbH (Hrsg.), München, 5. Auflage 1993. „MSD-Manual der Diagnostik und Therapie“, Urban & Schwarzenberg Verlag.
[xvi] Schröder, G.: „THIEMEs Pflege“; Georg Thieme Verlag, 9. Auflage 2000, Seite 299.
[xvii] Schulz, J.:“Decubitualulcus - Grundsätze der konservativen Behandlung“, HARTMANN WundForum 1/95.
[xviii] Matscheko, N.: „Wundversorgung in der Intensivpflege“, Sonderdruck aus: Meyer, Friesacher, Lange: „Handbuch der Intensivpflege“, ecomed verlagsgesellschaft AG & Co. KG, München 2000, Seite 1 ff.
[xix] Bienstein et al.: „Dekubitus“ (siehe unter 9), in: „Prinzipien der Dekubitustherapie“, Kapitel 19, Seite 173.
[xx] Winter, G.D.: “Healing of skin wounds an the influence of dressing on the repair press“. In: Harkiss, K.J.: Surgical Dressing and Wound Healing. University Press, Bradford 1971. Zitiert nach Bienstein et al., siehe dort.
[xxi] Niedner, R.: „Medikamentöse Therapie der Wunde“, in: Bienstein et al. (Hrsg.) „Dekubitus“, siehe dort, Seite 213 ff.
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